Hinweis!

Ausstellung Dietrich Schuchardt wird bis 27.Oktober 2018 verlängert.
Besuch in dieser Zeit allerdings nur nach telefonischer Terminabsprache 0160 / 99 77 67 12 möglich.

Ausstellung vom 23. August bis 6. Oktober 2018

Utopische Welten

Es ist schon lange her, da gab es eine Zeit, in der die Menschen, die Tiere und Pflanzen noch miteinander und mit den Dingen dieser Erde reden konnten. Sie verstanden einander in einer Sprache, die nicht die unsere ist und die uns nicht mehr zugänglich ist. Aus dieser Zeit gibt es ein Märchen, das sich die Maputi-Indianer erzählten:

Da war der Baum, der stand am Wasser. Da war der Fisch. Er schwamm im Wasser. Da war der Vogel, er saß auf dem Ast des Baumes. Da war der Mensch, er saß darunter. Sprach der Baum zum Fisch: „Du, gib mir doch deine Flossen. Ich möchte unterwegs sein, wie du.“

„Du, Baum“,sagte der Fisch, „gib mir doch einige von deinen Wurzeln. Einmal im Leben möchte ich festen Grund unter mir spüren.“ „Ach“, rief der Vogel vom Ast des Baumes, „ich kann sowohl an einem Ort sitzen als auch mich anderswo bewegen. Aber es genügt mir nicht.“

Sagte der Mensch: „Könnte ich doch fliegen wie du! Könnte ich mich in die Lüfte erheben und alles von oben her sehen. Könnte ich doch sehen, was hinter dem Horizont liegt!“

Sagte der Vogel: „Gib mir doch deine Augen, ich möchte sehen wie du.“

Ein Märchen, – nun ja, werden Sie sagen. Märchen sind nun einmal unwirklich. Aber es ist mehr als ein Märchen. Beim sorgfältigen Hinhorchen wittern wir etwas von den Urwünschen alles Lebenden.

Wir erfahren, dass jeder seinen Standort hat. Wir erkennen, dass jeder eingespannt, verwoben und verflochten ist mit seiner Welt und ihren Bedingungen. Zugleich spürt jeder, dass er so, wie er geschaffen ist, aus dieser Welt nicht hinaus kann. Warum wollte der Mensch sonst Flügel? Die Ikarusgeschichte spukt offensichtlich in vielen Gegenden unseres Planeten durch die Köpfe und Hirne der Menschen.

Werke von Dietrich Schuchardt

Alle Rechte an den Fotos: Dietrich Schuchardt